Das K2-Blatt ist das Kalkulationsformblatt für die Gesamtzuschläge — und eine der wichtigsten Neuerungen der ÖNORM B 2061:2020. In der alten Fassung von 1999 gab es dieses Formblatt noch gar nicht. Die Berechnung der Gesamtzuschläge wurde damals direkt im K3-Blatt vorgenommen.
Für dich als Prüfungskandidat heißt das: Das K2-Blatt ist relativ neues Prüfungsterrain, das du verstehen und rechnen können musst.
Was ist der Gesamtzuschlag und wofür braucht man ihn?
Der Gesamtzuschlag ist der Faktor, der aus Kosten Preise macht. Er wird auf die Einzelkosten und Baustellengemeinkosten aufgeschlagen und enthält alle indirekten Kostenbestandteile plus den kalkulatorischen Gewinn.
Die zentrale Formel der ÖNORM B 2061:
Preis = Kosten x Gesamtzuschlag
Oder anders ausgedrückt: Wenn deine Kosten für eine Leistungsposition 100 EUR betragen und der Gesamtzuschlag 29 % beträgt, ist der Preis 129 EUR.
Aus welchen Komponenten besteht der Gesamtzuschlag?
Der Gesamtzuschlag setzt sich aus fünf Komponenten zusammen:
1. Projektbezogene Zuschläge (Spalten D und E)
Kosten, die nicht eindeutig den Einzelkosten oder den Baustellengemeinkosten zugeordnet werden können. Beispiele:
- Erwartete zukünftige Kostensteigerungen (Festpreiszuschlag)
- BGK-Zuschlag, wenn im Leistungsverzeichnis keine eigenen Positionen für Baustellengemeinkosten vorgesehen sind
2. Geschäftsgemeinkosten (Spalten G und H)
Die Geschäftsgemeinkosten (GGK), auch Zentralregie genannt, sind Kosten für den allgemeinen Betrieb des Unternehmens:
- Geschäftsführung
- Buchhaltung und Lohnverrechnung
- Betriebsdienende Anlagen
- Kapitalkosten für die Betriebsführung
- Rechts- und Steuerberatung
- Kalkulation und Arbeitsvorbereitung
GGK bestehen hauptsächlich aus fixen Kosten. Sie werden periodisch (meist jährlich) ermittelt und als Prozentsatz auf eine oder mehrere Bezugsgrößen (häufig den Umsatz) bezogen.
3. Finanzierungskosten (Spalten J und K)
Die Kosten für die Vorfinanzierung der Bauproduktion. Dazu gehören:
- Zinsen für die Kapitalbereitstellung
- Gebühren für Bankgarantien (Kaution, Deckungs- oder Haftrücklass)
Die Höhe hängt von den Zahlungsbedingungen und -fristen, der Möglichkeit zur Ablöse von Sicherstellungen und dem kalkulatorischen Zinssatz ab.
4. Wagnis (Spalten M und N)
Das Wagnis beschreibt das Risiko eines Verlustes oder einer Fehlentscheidung. Der Wagniszuschlag soll abdecken:
- Allgemeines Unternehmerwagnis: Insolvenz von Kunden, Zahlungsausfälle, Gerätebrüche, Unfälle
- Projektwagnis: Vertragstyp-spezifische Risiken, Qualität der Ausschreibungsunterlagen, Art des Bauwerks
Typische kalkulatorische Wagnisse sind das Gewährleistungswagnis oder das Bauherren-Insolvenzwagnis.
5. Gewinn (Spalten O und P)
Der kalkulatorische Zuschlag für den Gewinn. Er wird in Abhängigkeit von Konjunktur und Wettbewerb festgelegt und ist kein Kostenelement, sondern ein wichtiger Bestandteil der Preisbildung.
Wichtig: Ein negativer Gewinnzuschlag ist nicht zulässig.
Wie ist das K2-Blatt aufgebaut?
Das K2-Blatt enthält folgende Spalten:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| A | Nr. (Zeile) |
| B | Zuschlagsträger (z.B. Lohn, Material, Geräte, Fremdleistung) |
| C | Basis 100 % |
| D/E | Projektbezogener Zuschlag (%-Satz und %-Wert) |
| F | Basis für GGK (= C + E) |
| G/H | Geschäftsgemeinkosten (%-Satz und %-Wert) |
| I | Basis für Finanzierungskosten (= F + H) |
| J/K | Finanzierungskosten (%-Satz und %-Wert) |
| L | Basis für Wagnis (= I + K) |
| M/N | Wagnis (%-Satz und %-Wert) |
| O/P | Gewinn (%-Satz und %-Wert auf L + N) |
| Q | Gesamtrechenergebnis |
| R | Gesamtzuschlag in % (= Q – 100) |
Das Prinzip der aufeinander aufbauenden Basis
Jeder Zuschlag wird auf die bereits durch vorherige Zuschläge erhöhte Basis aufgeschlagen. Die Basis steigt also mit jedem Schritt:
- Basis (100 %) + projektbezogener Zuschlag = neue Basis F
- Basis F + GGK = neue Basis I
- Basis I + Finanzierungskosten = neue Basis L
- Basis L + Wagnis + Gewinn = Gesamtzuschlag Q
Können die Zuschläge für verschiedene Kostenträger unterschiedlich sein?
Ja. Das K2-Blatt ermöglicht unterschiedliche Gesamtzuschläge für verschiedene Zuschlagsträger. In jeder Zeile kann ein anderer Zuschlagsträger definiert werden — z.B.:
- Zeile 1: Lohn
- Zeile 2: Material
- Zeile 3: Geräte
- Zeile 4: Fremdleistungen
- Zeile 5: Sonstige Kosten
Der Rechenvorgang in jeder Zeile ist identisch, lediglich die eingesetzten Prozentwerte können variieren. Das ist logisch, weil z.B. auf Fremdleistungen typischerweise ein geringerer Zuschlag angesetzt wird als auf eigene Lohnleistungen.
Praxisbeispiel: Gesamtzuschlag berechnen
Ausgangsdaten
Zuschlagsträger: Lohn
| Komponente | %-Satz |
|---|---|
| Projektbezogener Zuschlag | 3,00 % |
| Geschäftsgemeinkosten | 12,00 % |
| Finanzierungskosten | 2,50 % |
| Wagnis | 3,00 % |
| Gewinn | 5,00 % |
Berechnung
| Schritt | Basis | Zuschlag | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Start | 100,00 % | ||
| + Projektbez. Zuschlag | 100,00 % | 3,00 % = 3,00 | 103,00 % |
| + GGK | 103,00 % | 12,00 % = 12,36 | 115,36 % |
| + Finanzierung | 115,36 % | 2,50 % = 2,88 | 118,24 % |
| + Wagnis | 118,24 % | 3,00 % = 3,55 | 121,79 % |
| + Gewinn | 121,79 % | 5,00 % = 6,09 | 127,88 % |
Gesamtzuschlag: 27,88 %
Beachte: Der Gesamtzuschlag ist höher als die Summe der einzelnen Prozentsätze (3 + 12 + 2,5 + 3 + 5 = 25,5 %), weil jeder Zuschlag auf die bereits erhöhte Basis berechnet wird.
Was ist der Zusammenhang zwischen K2-Blatt und den anderen K-Blättern?
Der Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt wird in den anderen K-Blättern wie folgt verwendet:
- K3-Blatt, Zeile 20: Gesamtzuschlag wird auf die Personalkosten aufgeschlagen –> ergibt den Mittellohnpreis
- K4-Blatt, Spalte P: Gesamtzuschlag wird auf die Materialkosten aufgeschlagen –> ergibt den Materialpreis
- K6-Blatt, Spalte L: Gesamtzuschlag wird auf die Gerätekosten aufgeschlagen –> ergibt den Gerätepreis
Der Gesamtzuschlag überführt also in jedem K-Blatt die Kosten in Preise.
Wie werden Baustellengemeinkosten im K2-Blatt berücksichtigt?
Ein wichtiger Aspekt, der in der Praxis oft zu Verwirrung führt: Die Baustellengemeinkosten (BGK) sind nicht Teil des Gesamtzuschlags im K2-Blatt. BGK werden entweder als eigene Positionen im Leistungsverzeichnis direkt zugeordnet oder über eine Umlage im K3-Blatt (Zeile 17) auf die produktive Stunde umgelegt.
Die BGK gliedern sich in:
- Einmalige Kosten der Baustelle: Baustelleneinrichtung, -räumung, Anschlüsse, Behördenwege
- Zeitgebundene Kosten der Baustelle: Bauleitung, Baustellenpersonal (Polier), Containermieten, Energiekosten, Kranvorhaltung
Falls das LV keine eigenen Positionen für BGK vorsieht, werden sie als projektbezogener Zuschlag (Spalten D/E im K2-Blatt) behandelt. Das musst du in der Prüfung beachten — lies die Angabe genau, ob BGK separat ausgewiesen oder umgelegt werden sollen.
Wie hoch sind typische Gesamtzuschläge?
Die Höhe des Gesamtzuschlags hängt von vielen Faktoren ab:
- Unternehmensgröße: Größere Unternehmen haben oft höhere GGK, aber auch höhere Umsätze
- Branche: Hochbau vs. Tiefbau vs. spezialisierte Gewerke
- Wettbewerbssituation: In hart umkämpften Märkten werden Wagnis und Gewinn geringer angesetzt
- Projektrisiko: Komplexe Projekte rechtfertigen höhere Wagniszuschläge
Typische Gesamtzuschläge im österreichischen Hochbau liegen zwischen 20 % und 35 %.
Richtwerte für die einzelnen Komponenten
Aus der Praxis ergeben sich folgende Größenordnungen:
| Komponente | Richtwert |
|---|---|
| Geschäftsgemeinkosten | 8 bis 15 % |
| Finanzierungskosten | 1 bis 3 % |
| Wagnis | 2 bis 5 % |
| Gewinn | 3 bis 8 % |
Diese Werte variieren stark je nach Unternehmensgröße, Auftragslage und Projektrisiko. In der Baumeisterprüfung werden dir die konkreten Prozentsätze in der Angabe vorgegeben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das K2-Blatt ist eine Neuerung der ÖNORM B 2061:2020 (gab es in der Version 1999 nicht)
- Der Gesamtzuschlag besteht aus: Projektbez. Zuschläge + GGK + Finanzierungskosten + Wagnis + Gewinn
- Jede Komponente wird auf die bereits erhöhte Basis aufgeschlagen
- Der Gesamtzuschlag kann für verschiedene Zuschlagsträger unterschiedlich hoch sein
- Er wird in K3, K4 und K6 verwendet, um Kosten in Preise umzurechnen
- Ein negativer Gewinnzuschlag ist nicht zulässig
- Typische Werte im Hochbau: 20 % bis 35 %
Für den Gesamtüberblick lies den Pillar-Artikel Baukalkulation nach ÖNORM: Schritt für Schritt mit Beispielen.
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Häufig gestellte Fragen zum K2-Blatt
Was ist der Unterschied zwischen dem K2-Blatt und dem alten K3-Blatt?
In der ÖNORM B 2061:1999 gab es kein K2-Blatt. Die Gesamtzuschlagsberechnung wurde direkt im K3-Blatt integriert. Seit der Neuausgabe 2020 hat die Berechnung der Gesamtzuschläge ein eigenes Formblatt K2 erhalten, was die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit deutlich verbessert.
Warum sind die Zuschläge aufeinander aufbauend?
Die kumulative Berechnung bildet die betriebswirtschaftliche Realität ab: Geschäftsgemeinkosten fallen auch auf die projektbezogenen Zuschläge an, Finanzierungskosten beziehen sich auf die gesamten Kosten inklusive GGK, und Wagnis sowie Gewinn müssen alle vorherigen Kostenbestandteile abdecken.
Kann der Gesamtzuschlag für Lohn und Material unterschiedlich sein?
Ja, das ist sogar üblich. Im K2-Blatt kann für jeden Zuschlagsträger (Lohn, Material, Geräte, Fremdleistung) ein eigener Gesamtzuschlag berechnet werden. Auf Fremdleistungen wird typischerweise ein geringerer Zuschlag angesetzt als auf eigene Lohnleistungen.
Wie wirkt sich der Gesamtzuschlag auf den Angebotspreis aus?
Der Gesamtzuschlag erhöht die Herstellkosten um die Geschäftsgemeinkosten, Finanzierungskosten, Wagnis und Gewinn zum Gesamtpreis (netto). Auf diesen wird dann noch die Umsatzsteuer aufgeschlagen, um den endgültigen Angebotspreis zu erhalten.
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Über den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gründer und Geschäftsführer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befähigungsprüfung vor.