Mittellohnpreis berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Der Mittellohnpreis ist die zentrale Kennzahl der Baukalkulation. Er gibt an, was eine Arbeitsstunde auf der Baustelle tatsächlich kostet — inklusive aller Nebenkosten, Zulagen und Zuschläge. Wenn du bei der Baumeisterprüfung eine Kalkulation durchrechnen musst, startest du fast immer beim Mittellohnpreis.

In dieser Anleitung zeige ich dir, wie du den Mittellohnpreis im K3-Blatt nach ÖNORM B 2061 Schritt für Schritt berechnest — mit einem durchgerechneten Praxisbeispiel.

Was ist der Mittellohnpreis genau?

Der Mittellohnpreis ist der gewichtete Durchschnittswert der Personalkosten pro produktiver Stunde, inklusive aller Zuschläge. Er setzt sich zusammen aus:

  • Kollektivvertraglichem Entgelt (gewichtet nach Partiezusammensetzung)
  • Zulagen und Zuschlägen
  • Personalnebenkosten (DPNK, UPNK, WPNK)
  • Personalgemeinkosten
  • Umlagen (z.B. für Baustellengemeinkosten)
  • Gesamtzuschlag (GGK, Finanzierung, Wagnis, Gewinn)

Das Ergebnis ist der Preis pro Stunde, der in die Detailkalkulation im K7-Blatt einfließt.

Welche Grundlagen brauchst du vor der Berechnung?

Bevor du das K3-Blatt ausfüllen kannst, brauchst du folgende Informationen:

  1. Kollektivvertrag (KV): Welcher KV gilt? Im Baugewerbe und der Bauindustrie beträgt die Normalarbeitszeit 39 Stunden pro Woche.
  2. Partiezusammensetzung: Welche Beschäftigungsgruppen sind beteiligt und in welchem Verhältnis?
  3. Kalkulierte Wochenarbeitszeit: KV-Arbeitszeit plus eventuelle Mehrarbeit/Überstunden
  4. Lohnnebenkosten: DPNK und UPNK (von der WKO-Geschäftsstelle Bau jährlich veröffentlicht)
  5. Gesamtzuschlag: Aus dem K2-Blatt (Geschäftsgemeinkosten, Wagnis, Gewinn etc.)

Schritt-für-Schritt: Mittellohnpreis berechnen

Ausgangsdaten für unser Beispiel

  • Projekt: Wohnhausanlage, Rohbau
  • KV: Baugewerbe & Bauindustrie, KV-Datum 01.05.2024
  • Partie: 50 % Facharbeiter Gruppe II (14,00 EUR/h), 50 % Facharbeiter Gruppe III (10,00 EUR/h)
  • KV-Wochenarbeitszeit: 39 Stunden
  • Kalkulierte Wochenarbeitszeit: 40 Stunden (inkl. 1 h Zeitausgleichsstunden)
  • Gesamtzuschlag (K2): 29,04 %

Schritt 1: Gewichtetes KV-Entgelt ermitteln (Zeilen 1-3)

Zeile Gruppe KV-Entgelt Anteil Gewichteter Wert
1a II — Facharbeiter 14,00 EUR 50 % 7,00 EUR
1b III — Facharbeiter 10,00 EUR 50 % 5,00 EUR
2 Gewichtetes KV-Entgelt 100 % 12,00 EUR
3 Gewichtetes KV-Entgelt 12,00 EUR

Schritt 2: Unproduktive Zeiten addieren (Zeile 4)

Ansatz: 10 % auf Zeile 3

12,00 EUR x 10 % = 1,20 EUR

Schritt 3: KV-Entgelt inkl. unproduktiver Zeiten (Zeile 5)

12,00 + 1,20 = 13,20 EUR

Schritt 4: Zulagen und Zuschläge (Zeilen 6-9)

Zeile Position Betrag
6 Außerkollektivvertragliches Entgelt 1,80 EUR
7 Zulagen (z.B. Erschwernisse) 1,50 EUR
8 Arbeitszeitzuschläge (z.B. Überstunden)
9 Abgabepfl. Aufwandsentschädigungen (Wegzeit) 1,50 EUR

Schritt 5: Abgabepflichtige Personalkosten (Zeile 10)

Summe der Zeilen 5 bis 9:

13,20 + 1,80 + 1,50 + 0 + 1,50 = 18,00 EUR

Das ist die Bemessungsgrundlage für die Personalnebenkosten.

Ein häufiger Stolperstein in der Praxis und in der Prüfung: Nicht alle Zulagen und Zuschläge sind abgabepflichtig. Aufwandsentschädigungen wie das Taggeld (Zeile 11) werden separat erfasst und fließen erst nach Zeile 10 in die Personalkosten ein — sie sind nicht Teil der Bemessungsgrundlage für DPNK und UPNK. Wenn du diese Trennung nicht sauber durchführst, rechnest du mit falschen Personalnebenkosten und der gesamte Mittellohnpreis wird verfälscht. Achte also genau darauf, welche Positionen vor und welche nach Zeile 10 einzutragen sind.

Schritt 6: Personalnebenkosten berechnen (Zeilen 11-14)

Zeile Position Berechnung Betrag
11 Nicht abgabepfl. PK (Taggeld) Pauschal 2,00 EUR
12 Direkte PNK (DPNK) 30 % auf Z10 5,40 EUR
13 Umgelegte PNK (UPNK) 80 % auf Z10 14,40 EUR
14 Weitere PNK (WPNK) Pauschal 2,20 EUR

Hinweis: Die hier verwendeten Prozentsätze sind vereinfachte Ansätze. In der Praxis werden die exakten Werte der WKO-Musterkalkulation herangezogen (DPNK ca. 28,74 %, UPNK ca. 94,84 %). Für die Prüfung werden die Werte in der Angabe vorgegeben.

Schritt 7: Personalkosten vor Zurechnungen (Zeile 15)

Summe der Zeilen 10 bis 14:

18,00 + 2,00 + 5,40 + 14,40 + 2,20 = 42,00 EUR

Schritt 8: Personalgemeinkosten und Umlagen (Zeilen 16-18)

Zeile Position Berechnung Betrag
16 Personalgemeinkosten 10 % auf Z15 4,20 EUR
17a Umlage Fixkosten (Spalte A) Pauschal 15,00 EUR

Zeile 18 — Kosten:
– Spalte A (Umlagen): 15,00 EUR
– Spalte B (Personal): Z15 + Z16 = 42,00 + 4,20 = 46,20 EUR

Schritt 9: Personalkosten gesamt = Mittellohnkosten (Zeile 19)

Spalte A + Spalte B = 15,00 + 46,20 = 61,20 EUR

Das sind die Mittellohnkosten — die reinen Kosten ohne Gewinnaufschlag.

Schritt 10: Gesamtzuschlag und Mittellohnpreis (Zeilen 20-22)

Gesamtzuschlag aus K2-Blatt: 29,04 %

Zeile Position Spalte A Spalte B
20 Gesamtzuschlag 29,04 % = 4,36 EUR 29,04 % = 12,42 EUR
21 Preise 15,00 + 4,36 = 19,36 EUR 46,20 + 12,42 = 58,62 EUR
22 Mittellohnpreis 19,36 + 58,62 = 76,98 EUR

Ergebnis: Der Mittellohnpreis beträgt 76,98 EUR pro Stunde.

Wie ermittelst du den mittleren Arbeiterstand?

Aus dem Mittellohnpreis kannst du auch den benötigten Arbeiterstand ableiten:

Mittlerer Arbeiterstand = (Gesamtpreis x Lohnanteil) / (Bauzeit [Mo] x 4,22 [Wo/Mo] x WAZ [h/Wo] x MLP)

Beispiel: 1 Mio. Euro Rohbaukosten, Lohnanteil 40 %, 5 Monate Bauzeit, 39 h/Woche, MLP ca. 50 EUR/Stunde –> ca. 10 Personen.

Welche Fehler solltest du vermeiden?

Häufige Prüfungsfehler

  1. DPNK und UPNK verwechselt: DPNK sind die gesetzlichen Arbeitgeberabgaben (ca. 28,74 %), UPNK sind die umgelegten Kosten für Nichtarbeitszeiten (ca. 94,84 %)
  2. Unproduktive Zeiten vergessen: Zeile 4 wird gerne übersehen, macht aber einen relevanten Unterschied
  3. Gesamtzuschlag auf falsche Basis: Der Gesamtzuschlag wird auf die Kosten (Zeile 18/19) aufgeschlagen, nicht auf das KV-Entgelt
  4. Spalte A und B nicht getrennt: Umlagen (Spalte A) und Personal (Spalte B) können unterschiedliche Gesamtzuschläge haben

Prüfungstipp

Lies die Angabe genau: Werden dir die Prozentsätze für DPNK und UPNK vorgegeben? Wenn ja, verwende exakt diese Werte. Wenn nicht, rechne mit den WKO-Standardwerten.

Wie unterscheidet sich der Mittellohnpreis bei Montage, Vorfertigung und Regie?

Das K3-Blatt kann für verschiedene Einsatzarten erstellt werden. Je nach Einsatzart ändern sich die Eingangswerte:

Montage-Mittellohnpreis

Der Standardfall — er beschreibt die Personalkosten für die Arbeit auf der Baustelle. Hier kommen typischerweise Zulagen (Erschwernisse), Aufwandsentschädigungen (Taggeld) und die vollen UPNK zum Tragen.

Vorfertigungs-Mittellohnpreis

Für Arbeiten im Werk oder in der Werkstatt — etwa bei Stahlbau oder Fertigteilproduktion. Hier entfallen die baustellenbezogenen Zulagen und Aufwandsentschädigungen weitgehend. Dafür kommen Fertigungsgemeinkosten hinzu.

Regie-Mittellohnpreis

Für Regiearbeiten wird ein eigener Mittellohnpreis kalkuliert, der in der Regel höher ist als der Montage-Mittellohnpreis. Regieleistungen werden nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet und enthalten oft höhere Zuschläge für den administrativen Aufwand.

Prüfungstipp: In der Prüfungsangabe wird immer spezifiziert, welche Art von Mittellohnpreis du berechnen sollst. Achte darauf, nur die relevanten Positionen anzusetzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Mittellohnpreis wird im K3-Blatt nach ÖNORM B 2061 berechnet
  • Ausgangsbasis ist das gewichtete KV-Entgelt der Partiezusammensetzung
  • Auf das KV-Entgelt werden unproduktive Zeiten, Zulagen und Aufwandsentschädigungen aufgeschlagen
  • Die abgabepflichtigen Personalkosten (Zeile 10) bilden die Basis für die Personalnebenkosten
  • DPNK (ca. 28,74 %) und UPNK (ca. 94,84 %) sind die größten Kostenblöcke
  • Der Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt verwandelt die Mittellohnkosten in den Mittellohnpreis
  • Im Beispiel: Mittellohnkosten 61,20 EUR –> Mittellohnpreis 76,98 EUR

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Weiterlesen: Baukalkulation nach ÖNORM: Schritt für Schritt mit Beispielen — Unser umfassender Guide zu diesem Thema.

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Häufig gestellte Fragen zum Mittellohnpreis

Wie hoch ist ein typischer Mittellohnpreis im Baugewerbe?

Der Mittellohnpreis variiert stark je nach Region, Unternehmen und Projektart. Im österreichischen Hochbau liegen typische Werte zwischen 50 und 85 EUR pro Stunde. Für Regiearbeiten oder spezialisierte Gewerke kann der Wert deutlich höher sein.

Was ist der Unterschied zwischen Mittellohnkosten und Mittellohnpreis?

Die Mittellohnkosten (K3, Zeile 19) enthalten alle Personalkosten pro Stunde ohne Gewinnaufschlag. Der Mittellohnpreis (K3, Zeile 22) enthält zusätzlich den Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt und ist damit der Wert, der in die Preiskalkulation einfließt.

Wo bekomme ich die aktuellen DPNK- und UPNK-Werte?

Die WKO — Geschäftsstelle Bau veröffentlicht jedes Jahr grundlegende Informationen über die Lohnnebenkosten im Baugewerbe und der Bauindustrie. Die aktuelle Musterkalkulation findest du auf der WKO-Website unter den Lohnnebenkosten-Dokumenten.

Wie wird der Mittellohnpreis bei der Baumeisterprüfung abgefragt?

In der Prüfung wird typischerweise eine Angabe mit Partiezusammensetzung, KV-Entgelten und Prozentsätzen für Personalnebenkosten vorgegeben. Du musst das K3-Blatt Zeile für Zeile durchrechnen. Übe das mehrfach, bis die Systematik sitzt.


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Über den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gründer und Geschäftsführer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befähigungsprüfung vor.