Die K-Blätter sind die standardisierten Kalkulationsformblätter der ÖNORM B 2061 und bilden das Gerüst jeder normgemäßen Baukalkulation in Österreich. Wenn du bei der Baumeisterprüfung eine Kalkulation aufsetzen musst, solltest du wissen, welches Blatt wofür zuständig ist und wie die Blätter zusammenspielen.
Hier gebe ich dir einen kompakten Überblick über alle sechs K-Blätter — Aufbau, Funktion und Zusammenhang.
Warum gibt es K-Blätter in der Baukalkulation?
Die ÖNORM B 2061 empfiehlt die Verwendung der K-Blätter, um die Baukalkulation zu vereinheitlichen und transparent zu machen. Das hat zwei Hauptgründe:
Extern: Bei öffentlichen Ausschreibungen kann die Vorlage der K-Blätter als detaillierte Angebotsprüfung gefordert werden. Die standardisierten Formblätter ermöglichen die Vergleichbarkeit verschiedener Angebote.
Intern: Verschiedene Mitarbeiter — Kalkulanten, Bauleiter, Kaufleute — arbeiten an der Kalkulation. Ein einheitlicher Aufbau stellt sicher, dass alle Beteiligten die gleiche Systematik verwenden.
Wie hängen die K-Blätter zusammen?
Die K-Blätter folgen einem logischen Aufbau. Jedes Blatt ermittelt einen bestimmten Kostenbestandteil, der am Ende im K7-Blatt zusammengeführt wird:
- K3 ermittelt den Personalpreis (Mittellohnpreis)
- K4 ermittelt die Materialpreise
- K6 ermittelt die Gerätepreise
- K5 fasst zusammengesetzte Komponenten zusammen (z.B. Betonpreis)
- K2 berechnet die Gesamtzuschläge
- K7 führt alles zum Einheitspreis zusammen
Der Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt wird dabei in den anderen K-Blättern (K3, K4, K6) angewendet, um aus Kosten Preise zu machen.
K2-Blatt: Gesamtzuschläge
Was macht das K2-Blatt?
Das K2-Blatt ist eine Neuerung der ÖNORM B 2061:2020. Es fasst alle Zuschläge zusammen, die auf die Einzelkosten aufgeschlagen werden, um vom Kostenniveau zum Preisniveau zu gelangen.
Aufbau
Das K2-Blatt enthält Spalten für:
– Zuschlagsträger (z.B. Lohn, Material, Geräte) — Spalte B
– Basis 100 % — Spalte C
– Projektbezogene Zuschläge — Spalten D/E
– Geschäftsgemeinkosten — Spalten G/H
– Finanzierungskosten — Spalten J/K
– Wagnis — Spalten M/N
– Gewinn — Spalten O/P
– Gesamtzuschlag — Spalte R
Jeder Zuschlag wird auf die durch die vorherigen Zuschläge bereits erhöhte Basis aufgeschlagen.
Details findest du im Artikel K2-Blatt: Gesamtzuschläge und Umlageberechnung.
K3-Blatt: Personalpreis (Mittellohnpreis)
Was macht das K3-Blatt?
Das K3-Blatt ermittelt die Personalkosten bzw. den Personalpreis für Arbeiter oder Angestellte pro Zeiteinheit. Das Ergebnis — der Mittellohnpreis — ist die wichtigste Eingangsgröße für die Detailkalkulation.
Aufbau (22 Zeilen)
Das K3-Blatt ist in folgende Bereiche gegliedert:
– Zeilen 1a-1j: Beschäftigungsgruppen mit KV-Entgelt, Anteil und gewichtetem Wert
– Zeile 2-3: Gewichtetes kollektivvertragliches Entgelt
– Zeile 4: Anteil für unproduktive Zeiten
– Zeile 5: KV-Entgelt inkl. unproduktiver Zeiten
– Zeile 6: Außerkollektivvertragliches Entgelt
– Zeile 7: Zulagen (Erschwernisse)
– Zeile 8: Arbeitszeitzuschläge
– Zeile 9: Abgabepflichtige Aufwandsentschädigungen
– Zeile 10: Abgabepflichtige Personalkosten
– Zeile 11: Nicht abgabepflichtige Personalkosten
– Zeilen 12-14: Personalnebenkosten (DPNK, UPNK, WPNK)
– Zeile 15: Personalkosten vor Zurechnungen
– Zeile 16: Personalgemeinkosten
– Zeilen 17-18: Umlagen von Kosten
– Zeile 19: Personalkosten gesamt (= Mittellohnkosten)
– Zeile 20: Gesamtzuschlag gemäß K2
– Zeile 21: Preise (Umlagen bzw. Personal)
– Zeile 22: Personalpreis gesamt (= Mittellohnpreis)
Details findest du im Artikel K3-Blatt: Personalkosten richtig kalkulieren.
K4-Blatt: Materialpreise
Was macht das K4-Blatt?
Das K4-Blatt dokumentiert die Materialkosten bzw. -preise für alle Materialien, die für eine bestimmte Leistung erforderlich sind. Die Materialkosten entstehen durch den Verbrauch von Material und die monetäre Bewertung der Verbrauchsmenge.
Aufbau (Spalten A bis Q)
- Spalte B: Materialbezeichnung und Preisquelle
- Spalte C: Maßeinheit
- Spalte D: Einkaufspreis pro Einheit
- Spalte E: Transportkosten
- Spalte F: Materialkosten frei Bau
- Spalten G/H: Materialgemeinkosten
- Spalten I/J: Zuschläge für Lade- und Manipulationsarbeiten
- Spalten K/L: Zuschläge für Nebenmaterial
- Spalten M/N: Zuschläge für Verlust und Schwund
- Spalte O: Materialkosten gesamt
- Spalte P: Gesamtzuschlag gemäß K2
- Spalte Q: Materialpreis
Details findest du im Artikel K4-Blatt: Materialpreise kalkulieren.
K5-Blatt: Zusammengesetzte Preiskomponenten
Was macht das K5-Blatt?
Das K5-Blatt vereinfacht die Preisermittlung für zusammengesetzte Komponenten — also Produkte oder Teilleistungen, die aus mehreren Kostenarten bestehen. Typische Beispiele:
- Betonherstellung (Material + Geräte + Lohn)
- Asphaltmischgut
- Schalungspartien
- Betrieb von Baugeräten (Lohn + Betriebsstoffe + Gerät)
Aufbau
Das K5-Blatt ermöglicht die Berechnung von Stunden- und Mengenaufwand sowie Kosten oder Preisen für zusammengesetzte Produkte. Die resultierenden Werte fließen in die Kalkulation des K7-Blatts ein.
Es gliedert die Ergebnisse in Anteil Lohn und Anteil Sonstiges.
K6-Blatt: Gerätepreise
Was macht das K6-Blatt?
Das K6-Blatt ermittelt die Gerätekosten bzw. -preise für Baugeräte. Bei Tiefbauarbeiten spielen die Gerätekosten eine besonders große Rolle, während sie bei Maler- oder Elektroarbeiten eher gering ausfallen.
Aufbau
Das K6-Blatt unterscheidet die Kosten in:
– Spalte D: Preisanteil (Lohn/Sonstiges)
– Spalten E/F: Abschreibung und Verzinsung (A+V)
– Spalten G/H: Reparatur und Instandhaltung (R+I)
– Spalte I: Gerätegemeinkosten auf Reparatur
– Spalte J: Andere Kosten
– Spalte K: Gerätekosten
– Spalte L: Gesamtzuschlag gemäß K2
– Spalte M/N: Gerätepreis
Für die Berechnung gibt es zwei Methoden: die Neuwertmethode und die BGL-Methode (Baugeräteliste).
Details findest du im Artikel K6-Blatt und BGL: Gerätekosten im Bau.
K7-Blatt: Darstellung der Preisermittlung (Detailkalkulation)
Was macht das K7-Blatt?
Das K7-Blatt ist das Herzstück der Detailkalkulation. Hier werden für jede Leistungsposition alle Kostenarten zusammengeführt und der Einheitspreis ermittelt.
Aufbau
Für jede Position werden eingetragen:
– Positionsnummer und Positionsstichwort
– Menge und Einheit
– Für jede Kostenart: Menge/EH und Einheitskosten/Einheitspreis (getrennt nach Lohn und Sonstiges)
Die Summe aller Kostenanteile ergibt bei der Kostenkalkulation die Herstellkosten, auf die der Gesamtzuschlag aufgeschlagen wird. Bei der Preiskalkulation wird direkt mit Preisen (inkl. Gesamtzuschlag) gerechnet.
Kostenkalkulation vs. Preiskalkulation mit den K-Blättern
Die ÖNORM B 2061 unterscheidet zwei Wege der Preisermittlung, und die K-Blätter kommen bei beiden zum Einsatz:
Kostenkalkulation: Hier werden im K7-Blatt zuerst die Kosten der Einzelleistungen ermittelt. Der Gesamtzuschlag aus dem K2-Blatt wird am Ende separat auf die Herstellkosten aufgeschlagen. In den K-Blättern K3, K4 und K6 rechnest du mit Mittellohnkosten, Materialkosten und Gerätekosten — also auf Kostenebene.
Preiskalkulation: Hier wird der Gesamtzuschlag bereits in den K-Blättern K3, K4 und K6 eingerechnet. Im K7-Blatt arbeitest du dann direkt mit Mittellohnpreis, Materialpreis und Gerätepreis. Der gesonderte Ausweis des Gesamtzuschlags im K7-Blatt entfällt.
Für dich als Prüfungskandidat ist es wichtig, beide Varianten zu beherrschen. In der Prüfung wird in der Angabe meist angegeben, ob du mit Kosten oder Preisen rechnen sollst.
Wie werden die K-Blätter bei öffentlichen Ausschreibungen verwendet?
Bei öffentlichen Ausschreibungen kann der Auftraggeber die Vorlage der K-Blätter als Teil der detaillierten Angebotsprüfung verlangen. Die normgemäßen Kalkulationsformblätter dienen dann zur Überprüfung der Preisangemessenheit. Konkret prüft der Auftraggeber, ob die angebotenen Preise plausibel und kostendeckend kalkuliert sind.
Die Nichtverwendung oder fehlerhafte Ausfüllung der K-Blätter kann bei öffentlichen Aufträgen vergaberechtliche Konsequenzen haben — im Extremfall bis zum Ausschluss des Angebots. Deshalb ist die sichere Beherrschung der K-Blätter für jeden Baumeister unverzichtbar.
Prüfungstipp: So merkst du dir die K-Blätter
Eine einfache Eselsbrücke:
- K2 = Zuschläge (Zweit-Blatt = Zuschlagsblatt)
- K3 = Personal (Drei = Dreifach so viele Zeilen wie alle anderen)
- K4 = Material (Vier Ecken = Material, das du anfasst)
- K5 = Komponenten (Fünf = Zusammenfassung/Kombi)
- K6 = Geräte (Sechs = Bagger hat sechs Buchstaben)
- K7 = Detail (Sieben = alles zusammen = Sieben Tage die Woche kalkulieren)
In der Prüfung wird häufig verlangt, einen Mittellohnpreis (K3) oder einen Einheitspreis (K7) zu berechnen. Übe diese beiden Blätter besonders intensiv.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die K-Blätter (K2 bis K7) sind die standardisierten Kalkulationsformblätter der ÖNORM B 2061:2020
- K2 berechnet die Gesamtzuschläge (neu seit 2020)
- K3 ermittelt den Mittellohnpreis aus KV-Entgelt, Zulagen, Personalnebenkosten und Umlagen
- K4 kalkuliert Materialkosten vom Einkaufspreis bis zum Materialpreis
- K5 fasst zusammengesetzte Preiskomponenten zusammen
- K6 ermittelt Gerätekosten mittels Neuwert- oder BGL-Methode
- K7 führt alle Werte zum Einheitspreis zusammen
- Bei öffentlichen Ausschreibungen kann die Vorlage der K-Blätter verlangt werden
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Häufig gestellte Fragen zu den K-Blättern
Welche K-Blätter gibt es in der Baukalkulation?
Die ÖNORM B 2061:2020 sieht sechs Kalkulationsformblätter vor: K2 (Gesamtzuschläge), K3 (Personalpreis/Mittellohnpreis), K4 (Materialpreise), K5 (Zusammengesetzte Preiskomponenten), K6 (Gerätepreise) und K7 (Darstellung der Preisermittlung).
Warum gibt es kein K1-Blatt?
Die Nummerierung beginnt bei K2, weil das K2-Blatt die Gesamtzuschläge darstellt, die auf die Basis (100 %) aufgeschlagen werden. Ein K1-Blatt ist in der aktuellen Normfassung nicht vorgesehen.
Muss ich alle K-Blätter bei jedem Projekt ausfüllen?
Nein. Welche K-Blätter erforderlich sind, hängt vom Projekt und der Ausschreibung ab. Bei einer einfachen Kalkulation reichen oft K3, K4 und K7. Das K5-Blatt wird nur bei zusammengesetzten Preiskomponenten benötigt, das K6-Blatt nur bei relevanten Gerätekosten.
Welches K-Blatt ist bei der Baumeisterprüfung am wichtigsten?
Das K3-Blatt (Mittellohnpreis) und das K7-Blatt (Detailkalkulation) werden am häufigsten geprüft. Du solltest beide Blätter sicher durchrechnen können. Das K2-Blatt ist ebenfalls prüfungsrelevant, da es den Gesamtzuschlag bestimmt.
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Über den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gründer und Geschäftsführer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befähigungsprüfung vor.