Das K4-Blatt nach ÖNORM B 2061 dokumentiert die Materialkosten bzw. Materialpreise für alle Materialien, die für eine bestimmte Bauleistung erforderlich sind. Während das K3-Blatt die Personalseite abdeckt, ist das K4-Blatt das Gegenstück für die Materialseite der Kalkulation.
Materialkosten machen je nach Bauvorhaben einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten aus. Die Verteilung zwischen Lohn und Sonstiges (wozu Material gehört) liegt typischerweise bei 40/60 bis 60/40, wobei Sanierungsarbeiten tendenziell lohnintensiver sind als Neubauten.
Wie entstehen Materialkosten in der Baukalkulation?
Materialkosten entstehen durch den Verbrauch von Material und die monetäre Bewertung der Verbrauchsmenge. Der Weg vom Lieferantenpreis zum kalkulatorischen Materialpreis umfasst mehrere Stufen:
Bezugspreis Lieferant
+ Transport zur Baustelle
= Materialkosten frei Bau
+ Abladen und Manipulation
+ Verlust und Schwund
= Materialkosten
+ Gesamtzuschlag Material (aus K2-Blatt)
= Materialpreis
Das ist logisch: Nicht nur der Einkaufspreis zählt, sondern auch alle Kosten, bis das Material tatsächlich an der Einbaustelle bereitsteht.
Wie ist das K4-Blatt aufgebaut?
Das K4-Blatt ist in Spalten A bis Q gegliedert:
Kopfzeilen
Wie bei allen K-Blättern enthält der Kopf: Unternehmen, Projekt, Projekt-Geschäftszahl (Gz UN und Gz AG), Erstellungsdatum und Preisbasis lt. Angebotsunterlagen.
Spalte B: Materialbezeichnung und Preisquelle
Jede Zeile enthält eine spezifische Materialart. Es ist wichtig, die exakte Bezeichnung des Materials zu verwenden, da diese oft den Preis beeinflusst. Die Materialspezifikation muss den Anforderungen der Ausschreibung oder des Vertrags entsprechen.
Um die Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit sicherzustellen, muss die Preisquelle genannt werden — also der Lieferant oder das Angebot, auf dem der Preis basiert.
Spalte C: Maßeinheit
Die Einheit, auf die sich der Preis bezieht — z.B. t, m3, m2, Stk, lfm.
Spalte D: Einkaufspreis pro Einheit
Der Preis ab Lieferant, ohne Transportkosten. Wenn der Lieferant Preise „frei Bau“ anbietet, bleibt Spalte E leer.
Spalte E: Transportkosten
Transportkosten pro Einheit zur Baustelle. Falls der Einkaufspreis bereits inklusive Transport ist (Preise „frei Bau“), bleibt diese Spalte leer.
Spalte F: Materialkosten frei Bau
Summe aus Spalte D und Spalte E. Das sind die Kosten des Materials, angeliefert auf der Baustelle.
Spalten G und H: Materialgemeinkosten
Zuschläge für die Materialverwaltung, falls diese in der Kostenrechnung vorgesehen sind. Dazu gehören Kosten für Lagerhaltung, Bestellwesen und Materialverwaltung. Diese Verwaltungskosten werden in der Regel über den Geschäftsgemeinkostenzuschlag im K2-Blatt berücksichtigt — in diesem Fall bleiben G und H leer.
Spalten I und J: Lade- und Manipulationsarbeiten
Zuschläge für Personalkosten für das Auf-, Ab-, Umladen und Stapeln der Materialien sowie eventuelle Zwischentransporte auf der Baustelle. Auch diese Spalten können leer bleiben, wenn die Kosten alternativ in der Detailkalkulation (K7-Blatt) berücksichtigt werden.
Spalten K und L: Nebenmaterial
Zuschläge für Nebenmaterialien, die untrennbar mit dem Hauptmaterial verbunden sind. Beispiele: Befestigungsmittel, Dübel, Schrauben. Diese können ebenfalls in der Detailkalkulation berücksichtigt werden.
Spalten M und N: Verlust und Schwund
Zuschläge für Materialverluste wie Verschnitt und Bruch. Im Hochbau typische Werte:
- Bewehrungsstahl: 3-5 % Verschnitt
- Ziegel und Mauerwerk: 2-5 % Bruch
- Beton: 2-3 % Mehrverbrauch
- Holz (Schalung): 5-10 % Verschnitt
Mehrverbrauch oder Verschnitt sollten als Einzelmaterialkosten in der Detailkalkulation aufgeführt werden, wenn sie eine relevante Größe erreichen.
Spalte O: Materialkosten gesamt
Die Summe aus den Spalten F, H, J, L und N ergibt die Materialkosten pro Einheit. Diese dienen als Grundlage für die weitere Kostenkalkulation in der Detailkalkulation.
Spalte P: Gesamtzuschlag gemäß K2-Blatt
Hier wird der Gesamtzuschlag für Material aus dem K2-Blatt angewendet.
Spalte Q: Materialpreis
Der endgültige Materialpreis pro Einheit = Materialkosten + Gesamtzuschlag. Dieser Wert wird für die Preiskalkulation im K7-Blatt verwendet.
Praxisbeispiel: Materialkosten für Transportbeton
Ausgangsdaten
- Material: Transportbeton C25/30
- Einkaufspreis ab Betonwerk: 95,00 EUR/m3
- Transport zur Baustelle: 15,00 EUR/m3
- Materialgemeinkosten: —
- Manipulationskosten (Pumpen): 12,00 EUR/m3
- Nebenmaterial: —
- Verlust und Schwund: 3 % Mehrverbrauch
- Gesamtzuschlag Material (K2): 22,00 %
Berechnung
| Spalte | Position | Betrag |
|---|---|---|
| D | Einkaufspreis | 95,00 EUR/m3 |
| E | Transport | 15,00 EUR/m3 |
| F | Materialkosten frei Bau | 110,00 EUR/m3 |
| G/H | Materialgemeinkosten | — |
| I/J | Manipulation (Pumpen) | 12,00 EUR/m3 |
| K/L | Nebenmaterial | — |
| M/N | Verlust/Schwund (3 %) | 3,30 EUR/m3 |
| O | Materialkosten | 125,30 EUR/m3 |
| P | Gesamtzuschlag (22 %) | 27,57 EUR/m3 |
| Q | Materialpreis | 152,87 EUR/m3 |
Dieser Materialpreis fließt in die Detailkalkulation (K7-Blatt) ein, wenn du eine Position wie „Ortbeton C25/30 liefern und einbauen“ kalkulierst.
Wie werden Fremdleistungen im K4-Blatt behandelt?
Neben Materialien können im K4-Blatt auch Fremdleistungen kalkuliert werden. Die allgemeine Formel:
Preis ab Subunternehmer (inkl. Nachlass)
+ Beistellungen des Unternehmers (Hilfsleistungen, Nebenstoffe)
= Fremdleistungskosten
+ Gesamtzuschlag Fremdleistung
= Fremdleistungspreis
Der Gesamtzuschlag auf Fremdleistungen ist typischerweise geringer als auf eigene Leistungen, da ein großer Teil der Gemeinkosten bereits im Preis des Subunternehmers enthalten ist.
Zweites Praxisbeispiel: Materialkosten für Bewehrungsstahl
Ausgangsdaten
- Material: Bewehrungsstahl BSt 550
- Einkaufspreis ab Stahlhandel: 850,00 EUR/to
- Transport zur Baustelle: 45,00 EUR/to
- Materialgemeinkosten: —
- Manipulationskosten (Abladen, innerbetrieblicher Transport): 25,00 EUR/to
- Nebenmaterial (Bindedraht, Abstandhalter): 3 % auf Materialkosten frei Bau
- Verlust und Schwund (Verschnitt): 5 %
- Gesamtzuschlag Material (K2): 22,00 %
Berechnung
| Spalte | Position | Betrag |
|---|---|---|
| D | Einkaufspreis | 850,00 EUR/to |
| E | Transport | 45,00 EUR/to |
| F | Materialkosten frei Bau | 895,00 EUR/to |
| G/H | Materialgemeinkosten | — |
| I/J | Manipulation | 25,00 EUR/to |
| K/L | Nebenmaterial (3 % von 895,00) | 26,85 EUR/to |
| M/N | Verschnitt (5 % von 895,00) | 44,75 EUR/to |
| O | Materialkosten | 991,60 EUR/to |
| P | Gesamtzuschlag (22 %) | 218,15 EUR/to |
| Q | Materialpreis | 1.209,75 EUR/to |
Im Vergleich zum Einkaufspreis von 850,00 EUR/to ist der kalkulatorische Materialpreis mit 1.209,75 EUR/to um rund 42 % höher. Das zeigt, wie stark Transport, Manipulation, Verschnitt und Gesamtzuschlag den Preis beeinflussen.
Welche typischen Fehler passieren beim K4-Blatt?
-
Preisquelle nicht angeben: Bei Angebotsprüfungen wird die Nachvollziehbarkeit geprüft. Ohne Angabe des Lieferanten oder des Angebots fehlt die Grundlage.
-
Transportkosten vergessen: Viele Lieferanten geben Preise „ab Werk“ an. Die Transportkosten zur Baustelle müssen separat kalkuliert werden.
-
Verschnitt nicht berücksichtigt: Verschnitt oder Mehrverbrauch sollte entweder im K4-Blatt (Spalte M/N) oder in der Detailkalkulation (K7) berücksichtigt werden — aber nicht doppelt.
-
Falschen Gesamtzuschlag anwenden: Der Gesamtzuschlag für Material kann im K2-Blatt anders sein als der für Lohn. Achte darauf, den richtigen Zuschlagsträger zu verwenden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das K4-Blatt dokumentiert die Materialkosten und Materialpreise nach ÖNORM B 2061
- Der Weg führt vom Einkaufspreis über Transport, Manipulation und Schwund zu den Materialkosten
- Durch Aufschlag des Gesamtzuschlags (K2-Blatt) entstehen die Materialpreise
- Materialpreise werden dem Preisanteil Sonstiges zugerechnet
- Preisquelle (Lieferant/Angebot) muss angegeben werden
- Verschnitt und Schwund sind projektspezifisch zu kalkulieren
- Auch Fremdleistungen können über das K4-Blatt kalkuliert werden
Prüfungstipp: Materialkosten richtig zuordnen
In der Baumeisterprüfung werden dir oft Positionen vorgegeben, bei denen du entscheiden musst, welche Materialien im K4-Blatt kalkuliert werden und welche in der Detailkalkulation (K7-Blatt) direkt angesetzt werden. Hier eine Orientierungshilfe:
Im K4-Blatt kalkulieren (Standardmaterialien mit übergreifender Verwendung):
– Transportbeton, Bewehrungsstahl, Mauerziegel, Schalungsmaterial
Im K7-Blatt direkt ansetzen (positionsspezifische Materialien):
– Spezielle Befestigungsmittel für eine einzelne Position
– Kleinmengen, die nur in einer Position vorkommen
Die Grundregel: Was in mehreren Positionen verwendet wird und eine einheitliche Preisermittlung erfordert, gehört ins K4-Blatt. Was nur in einer Position vorkommt, kann direkt im K7-Blatt kalkuliert werden
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Häufig gestellte Fragen zum K4-Blatt
Was gehört alles zu den Einzelmaterialkosten?
Zu den Einzelmaterialkosten zählen: Bau- und Hilfsmaterial, Betriebsstoffe und Verschleißteile für Baugeräte sowie Materialkosten von Fremdleistungen. Die Einzelmaterialkosten pro Leistungseinheit setzen sich aus dem kalkulierten Bedarf an Materialien für die jeweilige Leistung zusammen.
Sind Betriebsstoffe Materialkosten oder Gerätekosten?
Betriebsstoffe (Treibstoff, Schmiermittel) sind Materialkosten und nicht Teil der Gerätekosten. Das ist ein häufiger Fehler bei der Zuordnung. Im K6-Blatt (Gerätepreise) werden nur Abschreibung, Verzinsung und Reparatur erfasst, nicht die Betriebsstoffe.
Wie kalkuliere ich Materialien bei Pauschalpreisverträgen?
Auch bei Pauschalpreisverträgen müssen die Materialkosten positionsweise kalkuliert werden. Die Mengen werden vom Auftragnehmer selbst ermittelt. Ein ausreichender Zuschlag für Mengenrisiken sollte im Wagnis (K2-Blatt) berücksichtigt werden.
Müssen alle Spalten im K4-Blatt ausgefüllt werden?
Nein. Viele Spalten (G/H, I/J, K/L) können leer bleiben, wenn die entsprechenden Kosten in der Detailkalkulation (K7-Blatt) oder über den Geschäftsgemeinkostenzuschlag berücksichtigt werden. Die Kernangaben sind Materialbezeichnung, Einheit, Einkaufspreis, Transport und Materialkosten frei Bau.
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Über den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gründer und Geschäftsführer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befähigungsprüfung vor.