Gerätekosten gehören zu den drei großen Kostenblöcken der Baukalkulation neben Personal und Material. In manchen Bereichen des Bauwesens, wie z.B. im Tiefbau, können sie sogar den größten Kostenanteil ausmachen. Bei Maler- oder Elektroarbeiten hingegen beschränken sie sich auf Kleingeräte und Kleingerüste.
Das K6-Blatt nach ÖNORM B 2061 ermittelt die Gerätepreise für Baugeräte. In diesem Beitrag erkläre ich dir den Aufbau des K6-Blatts, die zwei Berechnungsmethoden und die Baugeräteliste (BGL).
Welche Kosten fallen beim Einsatz von Baugeräten an?
Beim Einsatz von Geräten auf der Baustelle fallen folgende Kostenarten an:
- An- und Abtransport der Geräte, ggf. Montage und Demontage
- Vorhaltekosten: Abschreibung und Verzinsung (A+V) sowie Instandhaltung/Reparatur (I = R+I)
- Betriebskosten:
- Lohnkosten für Gerätebedienung und -wartung
- Stoffkosten für Wartung und Verschleißteile
- Betriebsstoffkosten (Diesel, Strom etc.)
Wichtig: Betriebsstoffe zählen zu den Materialkosten (K4-Blatt) und nicht zu den Gerätekosten. Das ist ein häufiger Fehler in der Prüfung.
Was ist der Unterschied zwischen Leistungsgerät und Vorhaltegerät?
Die ÖNORM B 2061 unterscheidet zwei Arten von Baugeräten:
Leistungsgerät: Ein Baugerät, dessen Kosten bestimmten Leistungspositionen zugeordnet werden. Beispiel: Ein Bagger für den Baugrubenaushub wird direkt der LV-Position „Aushub“ zugeordnet.
Vorhaltegerät: Ein Baugerät, dessen Kosten nicht den Leistungspositionen zugeordnet werden, weil es dem allgemeinen Betrieb der Baustelle dient. Beispiele: Baukran, Kompressor, Container. Die Kosten von Vorhaltegeräten werden den allgemeinen Baustellen-Gemeinkosten zugeordnet.
Leistungsgerätekosten sind direkte Kosten (Einzelkosten), Vorhaltegerätekosten sind indirekte Kosten (Gemeinkosten).
Kleingeräte, Kleingerüste und Werkzeuge werden laut ÖNORM B 2061 nicht als Baugeräte betrachtet. Sie werden über andere lohngebundene Kosten im Mittellohnpreis berücksichtigt.
Welche Zeitbegriffe musst du kennen?
Für die Kalkulation der Gerätekosten sind folgende Zeitbegriffe relevant:
Nutzungsdauer
Die durchschnittliche Zeitspanne, in der ein Gerät erfahrungsgemäß bei einschichtigem Betrieb und mittlerer Auslastung wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Sie wird beeinflusst durch technische Überalterung, Verschleiß, Wartung und Witterungseinflüsse. In der BGL wird sie in Nutzungsjahren angegeben.
Vorhaltemonate
Die durchschnittliche Einsatzdauer. Da Baugeräte nicht kontinuierlich während ihrer Nutzungsdauer eingesetzt werden können, berücksichtigen die Vorhaltemonate die Ausfallzeiten. Sie bilden die Grundlage für die kalkulatorische Abschreibung.
Vorhaltezeit
Die tatsächliche Beistellungszeit auf einer Baustelle. Sie umfasst: Verladezeit, Transportzeit, Montagezeit, eigentliche Vorhaltezeit und Stilliegezeit.
Stilliegezeit
Zeiträume, in denen das Gerät betriebslos auf der Baustelle verbleibt — z.B. durch höhere Gewalt, Wetterbedingungen oder andere nicht beeinflussbare Gründe.
Betriebszeit
Die Zeit, in der das Gerät tatsächlich Arbeit verrichtet, inklusive Rüstzeiten und Wartezeiten.
Wie ist das K6-Blatt aufgebaut?
Das K6-Blatt gliedert die Gerätekosten in folgende Spalten:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| A | Nr. |
| B | Gerätebezeichnung, Preisquelle (ev. BGL-Nr.) |
| C | Einheit |
| D | Preisanteil (Lohn/Sonstiges) |
| E | Abschreibung und Verzinsung (A+V) — % |
| F | A+V — Betrag/EH |
| G | Reparatur und Instandhaltung (Rep) — Betrag/EH |
| H | Gerätegemeinkosten auf Rep — % |
| I | Gerätegemeinkosten auf Rep — Betrag/EH |
| J | Andere Kosten — Betrag/EH |
| K | Gerätekosten (= F + G + I + J + K) |
| L | Gesamtzuschlag gemäß K2 — %-Satz |
| M | Gesamtzuschlag — Betrag |
| N | Gerätepreis |
Jedes Gerät wird in die Preisanteile Lohn und Sonstiges aufgeteilt. Die Reparaturkosten enthalten einen Lohnanteil (Reparaturlohn), der dem Preisanteil Lohn zugerechnet wird.
Wie werden Gerätekosten berechnet? Die zwei Methoden
Methode 1: Neuwertmethode
Die Neuwertmethode kommt zum Einsatz, wenn keine Geräteklassifizierung gemäß BGL möglich ist oder keine aktuellen Händlerangebote vorliegen. Sie basiert direkt auf dem Neuwert des Geräts.
Kalkulatorische Abschreibung:
kalk. Abschreibung [EUR/Bh] = Neuwert / Betriebsstunden
Kalkulatorische Verzinsung:
kalk. Verzinsung [EUR/Bh] = (Neuwert x Nutzungsjahre x kalk. Zinsfuß) / (2 x Betriebsstunden)
Reparaturkosten:
Reparaturkosten [EUR/Bh] = Faktor fur Rep.kosten x (kalk. A + V)
Der Reparaturkostenfaktor beträgt in der Regel 60 bis 90 % der Abschreibungskosten, abhängig von der Art des Geräts.
Methode 2: BGL-Methode
Die BGL-Methode basiert auf der Baugeräteliste (BGL 2020) und ist die gängigere Methode. Die Umrechnung erfolgt von monatlichen BGL-Sätzen auf Vorhaltestunden:
A+V pro Betriebsstunde:
kalk. A+V [EUR/Bh] = (BGL-Betrag A+V x Abminderungsfaktor x EPI) / 170
Reparaturentgelt pro Betriebsstunde:
Reparaturentgelt [EUR/Bh] = (BGL-Rep.entgelt x Abminderungsfaktor x EPI) / 170
Dabei gilt:
– 170 = Vorhaltestunden pro Monat (1 Vorhaltemonat = 30 Kalendertage oder 170 Vorhaltestunden)
– Abminderungsfaktor: Reduziert die BGL-Werte auf wettbewerbsfähige kalkulatorische Ansätze
– EPI = Erzeugerpreisindex, um die BGL-Preisbasis 2020 auf das aktuelle Preisniveau hochzurechnen
Umrechnung der Zeiteinheiten
Für die Umrechnung in kleinere Zeiteinheiten gilt:
| Zeiteinheit | Umrechnung |
|---|---|
| Vorhaltekosten je Kalendertag | 1/30 des Monatsbetrages |
| Vorhaltekosten je Arbeitstag | 1/21 des Monatsbetrages |
| Vorhaltekosten je Vorhaltestunde | 1/170 des Monatsbetrages |
Was ist die Baugeräteliste (BGL)?
Die BGL 2020 ist das Standardwerk für die Gerätekostenverrechnung im Bauwesen. Sie ersetzt die ÖBGL 2015 und ist erstmals eine gemeinsame Version der Bauindustrieverbände aus Österreich und Deutschland.
Anwendungsgebiete
- Interne Verrechnung und externe Berechnung von Gerätevorhaltekosten
- Organisation und Disposition in der Geräteverwaltung
- Beurteilung von Geräte- und Maschinenkosten
- Bewertung in Versicherungsfällen und gerichtlichen Entscheidungen
Gliederung
Die BGL 2020 ist in 21 Hauptgruppen alphabetisch geordnet (z.B. C = Hebezeuge). Weitere Unterteilungen sind Gerätegruppen, Geräteuntergruppen und Gerätearten.
Beispiel:
– C = Hebezeuge (Gerätehauptgruppe)
– C.0 = Turmdrehkrane (Gerätegruppe)
– C.0.1 = Turmdrehkrane, obendrehend (Geräteuntergruppe)
– C.0.10 = Turmdrehkran mit Laufkatzausleger (Geräteart)
– C.0.10.0050 = Turmdrehkran mit 50 tm Nennlastmoment (Gerätegröße)
Enthaltene Daten
Für nahezu alle gängigen Geräte enthält die BGL:
– Technische Kenngrößen und Maschinenleistungsangaben
– Gerätegewicht
– Mittlerer Neuwert (Preisbasis 2020)
– Monatliche Sätze für A+V in % und absolut
– Monatliche Sätze für R+I in % und absolut
– Verschleißteile (nicht im Reparaturentgelt enthalten)
– Nutzungsjahre und Vorhaltemonate
Abminderung der BGL-Werte
Die BGL-Werte sind betriebswirtschaftlich gesehen eher hoch angesetzt, da sie nur wenige Nutzungsjahre berücksichtigen. In der Praxis wird deshalb oft eine Abminderung vorgenommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Abminderungsfaktor wird vom Unternehmer eingeschätzt.
Mittlerer Neuwert und Erzeugerpreisindex
Die mittleren Neuwerte der BGL 2020 beziehen sich auf durchschnittliche Listenpreise gebräuchlicher Fabrikate mit Preisbasis 2020. Sie gelten für komplett ausgestattete, betriebsbereite Geräte ohne Ersatzteile und Kraftstofffüllung.
Der Erzeugerpreisindex (EPI) hilft, die Preisentwicklung seit 2020 zu berücksichtigen. In Österreich veröffentlicht die Statistik Austria den Erzeugerpreisindex für die Bauwirtschaft monatlich.
Praxisbeispiel: Gerätekosten für einen Turmdrehkran
Ausgangsdaten (BGL-Methode)
- Gerät: Turmdrehkran 50 tm
- BGL-Betrag A+V: 3.400 EUR/Monat
- BGL-Reparaturentgelt: 2.200 EUR/Monat
- Abminderungsfaktor: 0,75
- EPI (aktuell zu BGL-Basis): 1,12
- Gesamtzuschlag Geräte (K2): 25 %
Berechnung
A+V pro Vorhaltestunde:
(3.400 x 0,75 x 1,12) / 170 = 16,80 EUR/Bh
Reparatur pro Vorhaltestunde:
(2.200 x 0,75 x 1,12) / 170 = 10,87 EUR/Bh
Gerätekosten: 16,80 + 10,87 = 27,67 EUR/Bh
Gerätepreis: 27,67 x 1,25 = 34,59 EUR/Bh
Die Reparaturkosten werden in Lohn- und Sonstige-Anteile aufgeteilt (z.B. 60 % Lohn / 40 % Sonstiges).
Wo werden die Bedienungskosten kalkuliert?
Die Bedienungskosten (Lohn des Kranführers oder Maschinenisten) werden nicht im K6-Blatt, sondern als Einzelpersonalkosten im K7-Blatt berücksichtigt.
Für gewöhnlich werden 1,05 bis 1,15 Lohnstunden je Gerätestunde angesetzt (sogenannte „Schmierstunde“), um neben der reinen Bedienungszeit auch Wartungsarbeiten zu erfassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das K6-Blatt ermittelt Gerätekosten und Gerätepreise nach ÖNORM B 2061
- Gerätekosten bestehen aus A+V (Abschreibung + Verzinsung) und R+I (Reparatur + Instandhaltung)
- Es gibt zwei Methoden: Neuwertmethode und BGL-Methode
- Die BGL 2020 ist das Standardwerk für Gerätevorhaltekosten
- 1 Vorhaltemonat = 170 Vorhaltestunden = 30 Kalendertage = 21 Arbeitstage
- Betriebsstoffe sind Materialkosten (K4), nicht Gerätekosten
- Leistungsgeräte = direkte Kosten, Vorhaltegeräte = Gemeinkosten
- Kleingeräte und Werkzeuge werden im Mittellohnpreis berücksichtigt, nicht im K6-Blatt
- Der kalkulatorische Zinsfuß laut BGL beträgt 6,5 % p.a.
Für den Gesamtüberblick lies den Pillar-Artikel Baukalkulation nach ÖNORM: Schritt für Schritt mit Beispielen.
Bleib am Laufenden
Neue Artikel, Prüfungstipps und Gesetzesänderungen direkt in dein Postfach.
-> Jetzt Newsletter abonnieren
Verwandte Artikel
Häufig gestellte Fragen zu Gerätekosten und K6-Blatt
Was ist der Unterschied zwischen Leistungsgerät und Vorhaltegerät?
Ein Leistungsgerät wird direkt einer Leistungsposition zugeordnet (z.B. Bagger für den Aushub). Ein Vorhaltegerät dient dem allgemeinen Baustellenbetrieb und kann keiner einzelnen Position zugeordnet werden (z.B. Baukran, Container). Die Kosten von Vorhaltegeräten sind Baustellengemeinkosten.
Was ist die BGL 2020?
Die Baugeräteliste (BGL) 2020 ist das Standardwerk für die Kalkulation von Gerätekosten im Bauwesen. Sie enthält technische und wirtschaftliche Daten für gängige Baumaschinen und Geräte und wird gemeinsam von den Bauindustrieverbänden aus Österreich und Deutschland herausgegeben.
Wie berechne ich A+V für ein Baugerät?
Die Formel für A+V lautet: k = (100/v) x (Abschreibung) + (p x n) / (2 x v) x (Verzinsung), wobei k der monatliche Satz in % vom Neuwert, v die Vorhaltemonate, n die Nutzungsjahre und p der kalkulatorische Zinsfuß (6,5 % lt. BGL) ist. Alternativ kannst du die monatlichen Sätze direkt aus der BGL übernehmen.
Gehören Betriebsstoffe zu den Gerätekosten?
Nein. Betriebsstoffe wie Diesel, Strom und Schmiermittel sind Materialkosten und werden im K4-Blatt oder direkt in der Detailkalkulation (K7-Blatt) erfasst. Im K6-Blatt werden nur die Beistellungskosten (A+V, R+I) und andere gerätegebundene Kosten kalkuliert.
PAK Immobilien Bildungs GmbH bietet Österreichs umfassendste Online-Vorbereitung auf die Baumeister-Befähigungsprüfung. Mit praxisnahen Video-Kursen, interaktiven Übungsfragen und persönlicher Betreuung durch erfahrene Baumeister.
Über den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gründer und Geschäftsführer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befähigungsprüfung vor.