Lohnnebenkosten im Bau: Alle Abgaben im Überblick

Personal ist im Baugewerbe der groesste Kostenfaktor. Und wenn du glaubst, dass der Bruttolohn deines Facharbeiters schon die ganze Geschichte ist, liegst du weit daneben. Zu jedem Euro Bruttolohn kommen noch einmal rund 30 % direkte Lohnnebenkosten — und die umgelegten Lohnnebenkosten treiben die tatsaechlichen Personalkosten noch deutlich weiter nach oben.

Fuer die Baumeisterpruefung musst du die Systematik der Lohnnebenkosten verstehen und in der Baukalkulation korrekt anwenden koennen. Genau das schauen wir uns jetzt an.

Was sind Lohnnebenkosten und wie werden sie gegliedert?

Lohnnebenkosten — in der Fachsprache auch Personalnebenkosten (PNK) genannt — sind saemtliche Kosten, die einem Arbeitgeber ueber den reinen Bruttolohn hinaus durch die Beschaeftigung von Mitarbeitern entstehen. Die OENORM B 2061:2020 gliedert sie in drei Kategorien:

Direkte Lohnnebenkosten (DLNK)

Die direkten Lohnnebenkosten sind gesetzlich vorgeschriebene Abgaben, die der Arbeitgeber auf Basis der Bruttolohnsumme abfuehren muss. Dazu gehoeren:

  • Arbeitslosenversicherung: 3,00 %
  • Zuschlag Insolvenzentgeltsicherung: 0,10 %
  • Pensionsversicherung nach ASVG: 12,55 %
  • Krankenversicherung nach ASVG: 3,78 %
  • Unfallversicherung: 1,10 %
  • Familienausgleichsfonds (FLAF): 3,00 %
  • Wohnbaufoerderungsbeitrag: 0,50 %
  • Schlechtwetterentschaedigungsbeitrag: 0,70 %

Die Summe der direkten Lohnnebenkosten liegt damit bei rund 25,63 % (Stand: WKO-Geschaeftsstelle Bau, 01.01.2023). Dazu kommen noch regionale Abgaben wie der DG-Zuschlag FLAF, die Dienstgeberabgabe und die Kommunalsteuer — zusammen ergeben sich DLNK inkl. Kommunalsteuer und DZ von rund 29,01 %.

Umgelegte Lohnnebenkosten (ULNK)

Die umgelegten Lohnnebenkosten erfassen alle bezahlten Nichtarbeitszeiten und Sonderzahlungen, die auf die produktive Arbeitszeit umgelegt werden. Die WKO-Geschaeftsstelle Bau veroeffentlicht jaehrlich eine Musterkalkulation, die folgende Positionen umfasst:

  • Bezahlte Feiertage (gesetzlich und gem. KV): 7,84 %
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: 8,80 %
  • Sonstige Verhinderung: 2,45 %
  • Betrieblicher Ausfall und unproduktive Zeiten: 3,15 %
  • Bezahlte Urlaubstage: 42,43 %
  • Zuschlag fuer Winterfeiertage: 3,57 %
  • Refundierung durch die BUAK: -3,44 %
  • Abfertigung: 6,17 %
  • Ueberbrueckungsgeld: 3,68 %
  • Weihnachtsgeld: 17,86 %
  • Schlechtwetterentschaedigung: 0,04 %
  • Foerderung der zwischenbetrieblichen Ausbildung: 1,08 %
  • Ausgleichstaxe nach Behinderteneinstellungsgesetz: 0,16 %
  • Sonstiges (Erinnerungswert): 1,00 %

In Summe betragen die ULNK bezogen auf den kollektivvertraglichen Lohn und die Normalarbeitszeit rund 94,79 %.

Weitere Lohnnebenkosten

Neben DLNK und ULNK gibt es weitere gesetzlich bedingte Nebenkosten wie die Kommunalsteuer (3 % der Arbeitslohnsumme) oder oertlich bedingte Abgaben und Steuern. Diese fliessen in die Gesamtbelastung ein.

Wie wirken sich Lohnnebenkosten auf die Baukalkulation aus?

In der Baukalkulation nach OENORM B 2061 werden die Lohnnebenkosten ueber das K3-Blatt (Personalkosten) erfasst. Der Mittellohnpreis — also der tatsaechliche Stundensatz, den ein Bauarbeiter das Unternehmen kostet — setzt sich aus dem KV-Lohn plus den aufgeschlagenen Lohnnebenkosten zusammen.

Praxisbeispiel: Ein Facharbeiter mit einem KV-Stundenlohn von 14,83 EUR kostet dich nach Aufschlag aller DLNK und ULNK ein Vielfaches. Die Lohnnebenkosten machen die Personalkosten in der Bauwirtschaft zu einem der wichtigsten Kalkulationsfaktoren.

Besonders relevant fuer die Kalkulation ist die Tatsache, dass die ULNK den groessten Anteil an den gesamten Lohnnebenkosten ausmachen. Mit rund 95 % auf den KV-Lohn sind sie mehr als dreimal so hoch wie die DLNK. Der Grund: Im Baugewerbe gibt es besonders viele bezahlte Nichtarbeitszeiten — von den 25 Urlaubstagen ueber durchschnittlich 15 Krankheitstage bis hin zu den Sonderzahlungen (13. und 14. Monatsgehalt). Dazu kommen branchenspezifische Besonderheiten wie das Ueberbrueckungsgeld und die Schlechtwetterentschaedigung, die es in anderen Branchen nicht gibt. Diese hohen ULNK sind einer der Gruende, warum die Personalkosten im Baugewerbe im Branchenvergleich ueberdurchschnittlich hoch sind.

Die WKO-Geschaeftsstelle Bau veroeffentlicht jaehrlich Richtwerte fuer die Lohnnebenkosten im Baugewerbe und der Bauindustrie. Diese Werte dienen als Ausgangsbasis, muessen aber fuer den eigenen Betrieb angepasst werden. Dafuer gibt es folgende Formel:

UPNK0 + UPNK1 x MAF + UPNK2 x MLF + UPNK3 x MAF x MLF = angepasste UPNK

Der Mehrarbeitsfaktor (MAF) beruecksichtigt die Arbeitszeit ueber 39 Stunden pro Woche, der Mehrlohnfaktor (MLF) den Mehrlohn ueber dem KV-Lohn.

Praxisbeispiel: Gesamte Personalkosten eines Facharbeiters

Rechnen wir durch, was ein Facharbeiter mit KV-Stundenlohn von 14,83 EUR das Unternehmen tatsaechlich kostet:

Position Betrag/h
KV-Stundenlohn (Gruppe III) 14,83 EUR
Unproduktive Zeiten (10 %) 1,48 EUR
Ausserkollektivvertragliches Entgelt 1,50 EUR
Zulagen 0,50 EUR
Abgabepflichtige Personalkosten 18,31 EUR
Nicht abgabepfl. PK (Taggeld) 2,00 EUR
DLNK (29 % auf 18,31) 5,31 EUR
ULNK (ca. 95 % auf KV-Lohn) 14,09 EUR
WPNK (Kommunalsteuer etc.) 0,55 EUR
Personalkosten vor Zurechnungen 40,26 EUR
Personalgemeinkosten (10 %) 4,03 EUR
Mittellohnkosten 44,29 EUR

Der KV-Stundenlohn von 14,83 EUR wird zu Mittellohnkosten von 44,29 EUR — das ist ein Faktor von rund 3,0. Mit dem Gesamtzuschlag (z. B. 28 %) ergibt sich ein Mittellohnpreis von rund 56,69 EUR. Das bedeutet: Jede produktive Stunde, die dein Facharbeiter auf der Baustelle verbringt, kostet dein Unternehmen fast das Vierfache des KV-Lohns.

Welche Rolle spielen die Lohnnebenkosten bei der Baumeisterpruefung?

Die Lohnnebenkosten sind ein zentrales Pruefungsthema im Bereich Baukalkulation und Personalverrechnung. In der Pruefung wird erwartet, dass du:

  • Den Unterschied zwischen DLNK und ULNK erklaeren kannst
  • Die wichtigsten Einzelpositionen der DLNK kennst (SV-Beitraege, FLAF, etc.)
  • Verstehst, wie ULNK auf die produktive Arbeitszeit umgelegt werden
  • Die Verbindung zum K3-Blatt und zur Mittellohnpreiskalkulation herstellen kannst

Profi-Tipp: Merke dir die Grundstruktur: DLNK sind prozentuale Aufschlaege auf den Bruttolohn (rund 29 %), ULNK sind umgelegte Kosten fuer bezahlte Nichtarbeitszeiten (rund 95 %). In Summe kostet ein Bauarbeiter damit rund das Doppelte seines Bruttolohns.

Mehr zum K3-Blatt und zur Personalkosten-Kalkulation findest du im Artikel K3-Blatt: Personalkosten richtig kalkulieren. Einen umfassenden Ueberblick ueber die Baukalkulation bietet der Artikel Baukalkulation nach OENORM.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Lohnnebenkosten gliedern sich in direkte (DLNK), umgelegte (ULNK) und weitere Nebenkosten
  • DLNK umfassen SV-Beitraege, FLAF, Wohnbaufoerderung etc. — in Summe rund 29 % des Bruttolohns
  • ULNK umfassen bezahlte Nichtarbeitszeiten, Sonderzahlungen und Abfertigungen — in Summe rund 95 % auf den KV-Lohn
  • Die WKO veroeffentlicht jaehrlich Richtwerte, die betriebsindividuell angepasst werden muessen
  • In der Baukalkulation fliessen Lohnnebenkosten ueber das K3-Blatt in den Mittellohnpreis ein
  • Fuer die Baumeisterpruefung musst du die Systematik und die wichtigsten Positionen kennen

Anpassung der UPNK an betriebliche Gegebenheiten

Die WKO-Standardwerte fuer ULNK muessen fuer den eigenen Betrieb angepasst werden. Zwei Faktoren spielen dabei die entscheidende Rolle:

Mehrarbeitsfaktor (MAF)

Der MAF beruecksichtigt, dass bei einer kalkulierten Wochenarbeitszeit ueber 39 Stunden die umgelegten Personalnebenkosten sinken, weil sich die Fixkosten auf mehr produktive Stunden verteilen. Bei 40 Stunden kalkulierter Wochenarbeitszeit (statt 39 h KV) betraegt der MAF:

MAF = 40 / 39 = 1,0256

Mehrlohnfaktor (MLF)

Der MLF beruecksichtigt den Mehrlohn (ausserkollektivvertragliche Ueberzahlungen). Wenn der tatsaechlich gezahlte Durchschnittslohn ueber dem KV-Lohn liegt, erhoehen sich die ULNK:

MLF = Tatsaechlicher Durchschnittslohn / KV-Durchschnittslohn

Diese Anpassung ist in der Baumeisterpruefung ein beliebtes Rechenbeispiel. Die Formel zur Anpassung der UPNK lautet:

UPNK(angepasst) = UPNK0 + UPNK1 x MAF + UPNK2 x MLF + UPNK3 x MAF x MLF

Die einzelnen Koeffizienten (UPNK0 bis UPNK3) werden von der WKO-Geschaeftsstelle Bau in der jaehrlichen Musterkalkulation veroeffentlicht.

In der Pruefung wird dir in der Regel die Angabe mitteilen, ob du mit den WKO-Standardwerten oder mit angepassten Werten rechnen sollst. Wenn eine Anpassung verlangt wird, achte darauf, den MAF und MLF korrekt zu berechnen und in die Formel einzusetzen. Ein haeufiger Fehler ist die Verwechslung der Bezugsgroessen: DLNK beziehen sich auf die abgabepflichtigen Personalkosten, ULNK auf den KV-Lohn und die Normalarbeitszeit


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Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind direkte Lohnnebenkosten im Baugewerbe?

Direkte Lohnnebenkosten (DLNK) sind gesetzlich vorgeschriebene Abgaben, die der Arbeitgeber auf Basis der Bruttolohnsumme abfuehren muss. Dazu gehoeren SV-Beitraege (Pensions-, Kranken-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung), der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds, der Wohnbaufoerderungsbeitrag und der Schlechtwetterentschaedigungsbeitrag. In Summe betragen die DLNK inkl. Kommunalsteuer rund 29 % des Bruttolohns.

Was ist der Unterschied zwischen DLNK und ULNK?

DLNK sind prozentuale Aufschlaege auf den Bruttolohn (z.B. SV-Beitraege), die direkt berechnet werden. ULNK hingegen sind Kosten fuer bezahlte Nichtarbeitszeiten (Urlaub, Feiertage, Krankenstaende, Weihnachtsgeld), die auf die produktive Arbeitszeit umgelegt werden. DLNK betragen rund 29 %, ULNK rund 95 % des KV-Lohns.

Wie hoch sind die gesamten Lohnnebenkosten im Bau in Oesterreich?

Die gesamten Lohnnebenkosten im Baugewerbe betragen laut WKO-Geschaeftsstelle Bau rund 29 % (DLNK) plus rund 95 % (ULNK) bezogen auf den KV-Lohn. Das bedeutet, dass ein Bauarbeiter das Unternehmen in etwa das Doppelte seines Bruttolohns kostet. Die konkreten Werte haengen vom jeweiligen Betrieb ab und muessen individuell angepasst werden.

Wo fliessen Lohnnebenkosten in die Baukalkulation ein?

In der Baukalkulation nach OENORM B 2061 werden die Lohnnebenkosten im K3-Blatt (Personalkosten) erfasst. Die DLNK werden als prozentualer Aufschlag auf den Bruttolohn berechnet, die ULNK werden ueber Umlagefaktoren auf die produktive Arbeitszeit umgelegt. Das Ergebnis ist der Mittellohnpreis, der die tatsaechlichen Kosten pro Arbeitsstunde widerspiegelt.

Weiterlesen: Steuerrecht für Baumeister: USt, ESt, KöSt verständlich — Unser umfassender Guide zu diesem Thema.

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Ueber den Autor: Bmstr. Dipl.-Ing. Edris Paknehad ist Gruender und Geschaeftsfuehrer der PAK Immobilien Bildungs GmbH. Als TU-Wien-Absolvent und erfahrener Baumeister mit Expertise in Infrastruktur, Wohnbau und Bauaufsicht bereitet er angehende Baumeister gezielt auf die Befaehigungspruefung vor.